Montag, 19. Januar 2015

Das Nibelungenlied


„Uns ist in alten Maeren wunders vil geseit
von helden loberen, von grôzer arebeit,
von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ír nu wunder hoeren sagen.“

(Fassung C, Donaueschinger Handschrift, liegt in Karlsruhe)

 
Uns wird in alten Erzählungen viel Wunderbares berichtet,
von rühmenswerten Helden, grosser Kampfesmühe, von Freuden, Festen, von Weinen und von Klagen;
von den Kämpfen kühner Helden könnt ihr nun Wunderbares erzählen hören.

 

Erste Seite der Fassung C
So beginnt das bekanntes Werk aus dem deutschen Mittelalter, das Nibelungenlied. Die Textfassung, die man noch heute kennt, entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Die Geschichte an sich ist jedoch viel älter. Überliefert ist die Sage in 37 deutschen und einer holländischer Handschrift. Sie wurden hauptsächlich in der Schweiz und in Österreich gefunden. Die drei ältesten vollständigen Handschriften liegen heute in der Bayrischen Staatsbibliothek, in der Stiftsbibliothek St.Gallen und in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. Die Entstehung ist immer noch sehr umstritten. Feststeht, dass es viele mündliche Ausgaben der Nibelungensage gegeben hat und dass die Sage aus dem skandinavischen Raum stammt. Eine Theorie ist, dass die weit verbreitete Sage immer wieder von ihren Erzählern verändert wurde und so verschiedene Fassungen niedergeschrieben worden sind. Eine weitere, wahrscheinlichere Theorie besagt, dass es eine Originalausgabe und so auch nur einen Autor gegeben hat. Diese Originalausgabe wurde von anderen abgeschrieben und abgeändert.
Das Lied ist in vierzeilige, sich reimende Strophen unterteilt. Die ca. 2400 Strophen (je nach Fassung) werden noch heute vorgesungen, auch wenn die Melodie und der Rhythmus nicht rekonstruiert werden konnten.


 

Zum Inhalt der Geschichte: Die Geschichte beginnt damit, dass Sigfried um die Hand der schönen Kriemhild anhält. In der Vorgeschichte wird erzählt, dass Siegfried sich den Nibelungenschatz und die Tarnkappe erkämpft hat. Ausserdem wird auch von einem Drachenkampf berichtet. Siegfried gewann diesen Kampf, badete im Blut des Drachen und ist seit dem bis auf eine kleine Stelle auf der Schulter unverwundbar. Gunther, einer der Burgunderkönige und Bruder Kriemhilds, erlaubt eine Hochzeit mit Kriemhild aber erst, wenn Siegfried ihm geholfen hat Brünhild, die Königin von Island, für sich zu gewinnen. Brünhild nimmt aber nur denjenigen zum Mann, der sie  in einer Art Dreikampf besiegen kann. Mit Hilfe der Tarnkappe besiegt Siegfried, der anstelle von Gunther kämpft, Brünhild.
„Unt waere im Sîfrit nihit ze helfe komen,
sô hete si den künige sînen lîp benomen.
er gie dar tougenlîche unt ruort´ im sîne hant. 
Gunther sîne liste vil harte sorclîch ervant.“

 
 
Und wäre ihn Siegfried nicht zur Hilfe gekommen,
dann hätte sie dem König das Leben genommen.
Siegfried handelte im Verborgenen und führte Gunther die Hand,
der diese List mit grosser Sorge empfand.


 
In der Königsburg von Worms wird nun eine Doppelhochzeit gefeiert. Brünhild verweigert Gunther jedoch ihr Bett, worauf Siegfried sie wieder mit der Tarnkappe niederringen muss. Siegfried überlasst sie Gunther, welcher sie darauf vergewaltigt.  

„Daz volc was im entwichen, vrouwen unt man,
do want diu kemenâte vil balde zuo getân.
er wânde, er solde triuten ir minneclîchen lîp:
jâ was iz noch unnâhen, ê daz si wúrdé sîn wîp.“
 
Als die Damen und Herren seines Gefolges sich entfernt hatten,
wurde das Gemach schnell geschlossen.
Jetzt hoffte Gunther, die begehrenswürdige Brünhild lieben zu dürfen.
Doch es war noch längst nicht so weit, dass sie seine Frau wurde.


 
Doch vorher entwendet Siegfried den Keuschheitsgürtel und einen Ring von Brünhild. Später schenkt er diese Dinge seiner Frau Kriemhild ohne ihr zu sagen woher er sie hat.
Zehn Jahre später geraten die beiden Königinnen bei einem Fest in einen Streit. Kriemhild offenbart dabei das Geheimnis um die zweite Hochzeitsnacht indem sie ihr Ring und Gürtel zeigt. Brünhild ist darauf schwer gedemütigt.
„Ze samne si dô kômen vor dem münster wit.
ez tet diu hûsvrouwe durch einen grôzen nît
sie hiez vil übelîche Kriemhilde stille stân:
„jâ sol vor küniges wibe nimmer eigen diu gegân.“

 
Die beiden Königinnen trafen vor dem weiträumigen Münster aufeinander.
Die Landesherrin handelte aus grossem Hass und befahl Kriemhild in scharfem Ton stehen zu bleiben:
„Ja, vor der Gemahlin des Königs darf die Frau eines Leibeigenen nicht den Vortritt haben.“

 
Ihr Versal, Hagen von Tonje, nimmt diese tödliche Beleidigung zu Anlass Siegfried aus dem Weg zu schaffen. Er entlockt Kriemhild das Geheimnis um die verwundbare Stelle auf Siegfrieds Schulter. Auf einer Jagt ermordet Hagen den nichtsahnenden Siegfried.

„Dâ der herr Sîfrit ob dem brunnen tranc,
er schôz im durch das kriuz, das von der wunde spranc
das bluot in von dem herzen vaste an Hagenen wât.
sô grôze misswende ein helt nimmer mêr begât.“
 
Als Herr Siegfried über der Quelle gebeugt trank,
schoss Hagen durch das Kreuz hindurch, sodass aus der Wunde viel Blut vom Herzen bis an Hagens Kleidung sprang.
Eine so folgenschwere Untat wird nie wieder ein Held begehen.


 
Viereinhalb Jahren später gelingt es Hagen den Nibelungenschatz von Kriemhild zu stehlen und im Rhein zu versenken. Kriemhild sinnt auf Rache und heiratet den Hunnenkönig Etzel. Nach weiteren dreizehn Jahren lädt sie die Burgunder zu Etzel ein. Beim Mahl werden auf Befehl von Kriemhild alle neuntausend unbewaffneten Ritter der Burgunder getötet. Hangens Bruder Dankwart bringt die Nachricht an die Festtafel, worauf Hagen die Türen verschliessen lässt und Kriemhilds und Etzels Sohn tötet. Es entsteht ein blutiger Kampf bei dem alle Hunnen im Saal fallen. Die einzigen Überlebenden, Hagen und Gunther werden von Dietrich von Bern übermannt und Kriemhild ausgeliefert. Zuerst lässt sie ihren Bruder Gunther köpfen, bevor sie selbst Hagen köpft. Dass dieser Held durch die Hand einer Frau sterben musste, entfacht den Zorn Hildebrants, der Waffenmeister Dietrichs, und tötet die laut schreiende Kriemhild.

„Dô was gelegen aller dâ der veigen lîp.
ze stücken was gehouwen dô daz edele wîp.
Dietrich und Etzel weinen dô began,
si klagten inneclîche beide mâge únde man.“

 
 
Da lagen nun alle, denen bestimmt war zu sterben, tot am Boden.
Die edle Frau war in Stücke gehauen.
Dietrich und Etzel weinten.
Sie klagen von Herzen um Verwandte und Gefolgsleute.
  
 
Nibelungen-Handschrift C, Blatt 83r
letzte Seite der Fassung C


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied



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