„Uns ist in alten Maeren wunders vil geseit
von helden loberen, von grôzer arebeit, von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen, von küener recken strîten muget ír nu wunder hoeren sagen.“ (Fassung C, Donaueschinger Handschrift, liegt in Karlsruhe) |
Uns wird in alten Erzählungen viel Wunderbares berichtet, von rühmenswerten Helden, grosser Kampfesmühe, von Freuden, Festen, von Weinen und von Klagen; von den Kämpfen kühner Helden könnt ihr nun Wunderbares erzählen hören. |
| Erste Seite der Fassung C |
Das Lied ist in vierzeilige, sich reimende Strophen
unterteilt. Die ca. 2400 Strophen (je nach Fassung) werden noch heute
vorgesungen, auch wenn die Melodie und der Rhythmus nicht rekonstruiert werden
konnten.
Zum Inhalt der Geschichte: Die Geschichte beginnt damit, dass Sigfried um die Hand der schönen Kriemhild anhält. In der Vorgeschichte wird erzählt, dass Siegfried sich den Nibelungenschatz und die Tarnkappe erkämpft hat. Ausserdem wird auch von einem Drachenkampf berichtet. Siegfried gewann diesen Kampf, badete im Blut des Drachen und ist seit dem bis auf eine kleine Stelle auf der Schulter unverwundbar. Gunther, einer der Burgunderkönige und Bruder Kriemhilds, erlaubt eine Hochzeit mit Kriemhild aber erst, wenn Siegfried ihm geholfen hat Brünhild, die Königin von Island, für sich zu gewinnen. Brünhild nimmt aber nur denjenigen zum Mann, der sie in einer Art Dreikampf besiegen kann. Mit Hilfe der Tarnkappe besiegt Siegfried, der anstelle von Gunther kämpft, Brünhild.
„Unt waere im Sîfrit nihit ze helfe komen,
sô hete si den künige sînen lîp benomen. er gie dar tougenlîche unt ruort´ im sîne hant. Gunther sîne liste vil harte sorclîch ervant.“ |
Und wäre ihn Siegfried nicht zur Hilfe gekommen, dann hätte sie dem König das Leben genommen. Siegfried handelte im Verborgenen und führte Gunther die Hand, der diese List mit grosser Sorge empfand. |
„Daz volc was im entwichen, vrouwen unt man,
do want diu kemenâte vil balde zuo getân. er wânde, er solde triuten ir minneclîchen lîp: jâ was iz noch unnâhen, ê daz si wúrdé sîn wîp.“ | Als die Damen und Herren seines Gefolges sich entfernt hatten, wurde das Gemach schnell geschlossen. Jetzt hoffte Gunther, die begehrenswürdige Brünhild lieben zu dürfen. Doch es war noch längst nicht so weit, dass sie seine Frau wurde. |
Doch vorher entwendet Siegfried den Keuschheitsgürtel und
einen Ring von Brünhild. Später schenkt er diese Dinge seiner Frau Kriemhild
ohne ihr zu sagen woher er sie hat.
Zehn Jahre später geraten die beiden Königinnen bei einem
Fest in einen Streit. Kriemhild offenbart dabei das Geheimnis um die zweite
Hochzeitsnacht indem sie ihr Ring und Gürtel zeigt. Brünhild ist darauf schwer
gedemütigt.
„Ze samne si dô kômen vor dem münster wit.
ez tet diu hûsvrouwe durch einen grôzen nît sie hiez vil übelîche Kriemhilde stille stân: „jâ sol vor küniges wibe nimmer eigen diu gegân.“ |
Die beiden Königinnen trafen vor dem weiträumigen Münster
aufeinander. Die Landesherrin handelte aus grossem Hass und befahl Kriemhild in scharfem Ton stehen zu bleiben: „Ja, vor der Gemahlin des Königs darf die Frau eines Leibeigenen nicht den Vortritt haben.“ |
Ihr Versal, Hagen von Tonje, nimmt diese tödliche
Beleidigung zu Anlass Siegfried aus dem Weg zu schaffen. Er entlockt Kriemhild
das Geheimnis um die verwundbare Stelle auf Siegfrieds Schulter. Auf einer Jagt
ermordet Hagen den nichtsahnenden Siegfried.
„Dâ der herr Sîfrit ob dem brunnen tranc,
er schôz im durch das kriuz, das von der wunde spranc das bluot in von dem herzen vaste an Hagenen wât. sô grôze misswende ein helt nimmer mêr begât.“ |
Als Herr Siegfried über der Quelle gebeugt trank, schoss Hagen durch das Kreuz hindurch, sodass aus der Wunde viel Blut vom Herzen bis an Hagens Kleidung sprang. Eine so folgenschwere Untat wird nie wieder ein Held begehen. |
| „Dô was gelegen aller dâ der veigen lîp. ze stücken was gehouwen dô daz edele wîp. Dietrich und Etzel weinen dô began, si klagten inneclîche beide mâge únde man.“ |
Da lagen nun alle, denen bestimmt war zu sterben, tot am Boden.
Die edle Frau war in Stücke gehauen. Dietrich und Etzel weinten. Sie klagen von Herzen um Verwandte und Gefolgsleute. |
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| letzte Seite der Fassung C |
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied

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